Systemische Prozessgestaltung in der Natur

 

Systemische Prozessgestaltung in der Natur ist eine Arbeitsweise, die Ansätze der klassischen Erlebnispädagogik mit den Grundsätzen und Erkenntnissen der Systemischen Arbeitsweise in Pädagogik und Therapie verbindet.

Sie wurde von Astrid Habiba Kreszmeier und Hans-Peter Hufenus ins Leben gerufen und wird in dem von ihnen gegründeten Institut planoalto (Schweiz) etabliert, entwickelt und weitergegeben.

Systemische Prozessgestaltung in der Natur fordert Menschen auf Basis der Freiwilligkeit heraus, den Raum des Gewohnten zu verlassen und im Sinne einer inneren und äusseren Reise zu den eigenen Anliegen und Aufgaben zu gelangen und sich ihnen in zuversichtlicher, mutiger aber auch behutsamer und selbstbestimmter Weise zu nähern.

Systemische Prozessgestaltung wirkt dabei an den Schnittstellen zwischen Naturerfahrung und Selbsterfahrung, Vergangenem und Zukünftigen, Bewusstem und Verborgenen.

Dabei stehen Wahrnehmen und Handeln im Vordergrund, wodurch sichergestellt wird, dass neu Erlebtes, Erlerntes und Erkanntes nicht auf der kognitiven Ebene versteift sondern samengleich im Boden einer tief erlebten Berührung und Erfahrung keimt und Früchte trägt.

Die Anliegen der Adressat*Innen und Kund*Innen ist in dieser Arbeitsweise handlungsleitend. Einen geschützten Raum für Bedürfnisse, Themen und Ziele zu erschaffen und eine eindeutige (im Sinne von nicht doppeldeutige), intentionsfreie aber präsente und wachsame Begleitung und Führung zu gewährleisten, ist Rahmen und Verfassung.

Grundlegend für unsere Arbeitsweise sind eine wertschätzende Haltung und das Wissen darum, dass es oft kleine Schritte sind, die weitreichende Entwicklungen einläuten. Diese Schritte und Übergänge spürbar, sichtbar und greifbar zu machen, dient dazu Gewünschtem ins Leben zu helfen und Wirksamkeit zu verleihen.

 

Natur in der Systemischen Prozessgestaltung 

Die Natur ist Partnerin, Akteurin und Dimension mit der wir, metaphorisch und konkret, in Verbindung treten. Naturräume bieten uns vielfältige Qualitäten, Bilder und Symbole. Angeregt durch Impulse und Metaphern in der Prozessbegleitung finden Anliegen und Themen  häufig ihre Entsprechung in Landschaften, Formationen, Materialien und Elementen. Sie begegnen uns auch in Phänomenen wieder, vielleicht in Wetterumschwüngen, Tierkontakten, dem Finden von „Schätzen“ oder besonderen Plätzen. Häufig bilden sich unerwartet Brücken und Verbindungen und so wirken diese Einflüsse nicht selten wie das vermisste Puzzleteil in einem Bild. Ob Entsprechungen und Phänomene als solche entdeckt und zum Prozess zugelassen werden, liegt dabei in der Wahrnehmungsentscheidung jeder Gruppe oder der einzelnen Personen.

Naturräume werden in dieser Art zu heiligen Stätten, an denen sich Wundersames ereignen kann. Wir verbinden uns leiblich mit der Umgebung, indem wir das Wasser aus den Quellen, Flüssen und Seen trinken, dass Holz zum Wärmen, Kochen und Arbeiten verbrennen und uns nachts auf den Boden betten. Wir können zu den Erscheinungen der Natur in Opposition gehen, wenn wir mit Wind und Wetter hadern, nasses Holz mal nicht gut brennt oder Hindernisse den Weg versperren. Wir können in die Resonanz gehen, die wohltuenden wiederkehrenden Rhythmen mit leben, in den Flow kommen bei subsistenziellen Verrichtungen oder verbindenden methodischen Arbeiten und erleben, wie gut sich alles fügen kann.

 

Die Natur als Instanz erinnert uns an die Tugenden und Grundsätze in der Arbeit mit Menschen: Demut und Selbstbescheidung angesichts dessen, was wir nicht wissen, was wir nicht ermessen, nicht verstehen und nicht kontrollieren können. Sie verlangt Offenheit und Flexibilität bezüglich jeder Planung und erinnert uns damit jederzeit daran, dass wir stets gegenwärtig und präsent den Prozessen zu folgen haben. Die Arbeit im Außen, in der belebten Umwelt sorgt dafür, dass wir achtsam und wachsam bleiben für das Gegenwärtige und das, was erscheint und sich zeigen will.